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Mit 100-Dollar zum Laptop-Schüler

Mario Gongolsky
Versuche mit Laptop-Klassen sind in Deutschland nichts ungewöhnliches mehr. Wie jedoch jeder Schüler in der Fläche sein eigenes Notebook bekommen soll, ist noch gänzlich unklar. Der 100-Dollar-Einheits-Laptop könnte das Problem lösen. Und das weltweit.

Geht es nach Vorstellungen der scheidendenden Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn, hätte schon bald jeder Schüler seinen eigenen Laptop. Zahlreiche Projekte [1] haben den Unterricht mit Laptop-Klassen bereits erprobt.

Der deutsche Lehrerverband sieht die Idee der Laptop-Klassen eher kritisch. Das Zentrum der Wissensvermittlung müsse auch künftig von der Lehrer-Schülerkommunikation geleistet werden. Der Lehrer als URL-Geber und Surf-Moderator? Netikette statt Social-Skills? Mit Web-Häppchen zur Bildungselite? Ob Albtraum oder Zukunftsvision, die Diskussion darüber sollte ohne Scheuklappen geführt werden.



Kein Kind ohne Laptop?


Mit dem Wahlspruch „One Laptop per Child“ schielt eine vom Massachusetts Institue of Technology (MIT) ins Leben gerufene Non-Profit-Organisation [2] auf die ganze Welt. Immerhin hat das Media Lab des MIT versucht, einen 100-Dollar-Laptop zu entwickeln, der dieses Ziel in Reichweite bringt. Glaubt man den Ausführungen aus Boston, könnte das Gerät tatsächlich gebaut werden. Erreicht wird die enorme Kosteneinsparung durch ein LCD-Dislay wie es bislang nur Mini-DVD-Playern verbaut wird. Es bringt in laptopüblicher Größe eine Million Pixel und kostet rund 35 Dollar. Die Taktfrequenz des Prozessors wird bei 500 MHz liegen. WLAN soll an Bord sein, sogar mit einer Mesh-Connectivity (Mesh Connectivity Layer, MCL), einem WLAN-Adapter, der sich selbsttätig in Netze einhängt und zufällige Netzverbünde automatisch organisiert, um allen Nutzern einen Internetzugang zu generieren. Die Stromversorgung erfolgt über Netzspannung oder Akku. Letzterer lässt sich über eine Dynamo-Kurbel auch ohne Strom aufladen. Das ist auch nötig, denn bei vielen Schülern gibt es keinen Strom zu Hause.


Fünf Millionen Laptops bitte!


Das Gerät soll produziert werden, sobald wenigstens fünf Millionen bezahlte Bestellungen vorliegen. Erwerben können es nur staatliche Stellen gegen Vorkasse und die Mindestorder liegt bei einer Millionen Stück. Die Eckdaten sind so phantastisch, dass Zweifel nach der Machbarkeit durchaus berechtigt sind. Andere Projekte, wie der indische Simputer-PDA [3] scheiterten bislang immer am Preis. Die furiose AMD-Initiative 50x15 [4] mit ihrem durchaus pfiffigen „Seifendosen-Desktop“ PIC [5], der helfen soll, bis 2015 die Hälfte der Weltbevölkerung ins Netz zu bringen, kann nur in einer Politik der kleinen Schritte verbreitet werden. Darum unterstützt der Chiphersteller auch das MIT-Laptop-Projekt. Mit der mobilen Laptop-Lösung steht man technisch vor einer großen Herausforderung. Zudem – und das klingt auf den Seiten des Media Labs an – ist schwer vorstellbar, genügend freie Produktionskapazitäten für einen Kunden zu finden, der an die Pforte kommt und sagt: Fünf Millionen Laptops bitte, aber pronto.


Antwort auf eine Frage, die sich nicht stellt


Im November, beim UN-Weltinformationsgipfel in Tunesien, will man den 100-Dollar-Laptop-Initiative des Staats- und Regierungschefs vorstellen. Die Projekte in Deutschland kommen recht klar zu dem Ergebnis, dass Laptop-Klassen die Qualität des Lernens und den Lernerfolg befördern. Ob ein Laptop allerdings die Bildungsprobleme in der Dritten Welt lösen helfen kann, bleibt mehr als fraglich. Für die Dritte Welt stützen zwar kleinere Feldtests die Einschätzung der Projektverantwortlichen, dass ein Computer zum Lernen und zur kommunikativen Auseinandersetzung motiviert, weil der PC einen Blick über den Rand des eigenen sozialen Umfeldes erlaubt, doch besteht die eigentliche Herausforderung in schwach entwickelten Regionen der Erde darin, die Eltern zu überzeugen, dass die Kinder in die Schule gehören, statt zum Familieneinkommen beizutragen.

Ein freier Zugang zu Bildung; das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen erfordert immer noch Schulen und Lehrer. Auf all das wird auch der Schüler-Laptop keine Antwort geben.

1.11.2005






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[1] Lernen mit Notebooks.de

[2] One Laptop per Child

[3] Simputer-PDA

[4] AMD-Initiative 50x15

[5] Seifendosen-Desktop PIC
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