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Geschenke, Geschenke: Müll macht Freude

Mario Gongolsky
Exponate der Ausstellung L´Age de Aluminium (bis 2. Nov 2004); Quelle: Cite de Science et de l`Industrie, Paris
Aus Müll entstehen im Senegal, der Elfenbeinküste und Mali allerlei praktische Gegenstände von Blech-Spielzeug bis zu Wohnaccessoires: handwerklich großartig gefertigte Unikate mit unverwechselbarem Charakter. Sie kommen von der Mülldeponie in Westafrika geradewegs unter den heimischen Weihnachtsbaum. Die Suche nach geeigneten Lieferanten gestaltet sich online schwierig, lohnt aber jede Anstrengung.

Eine Geo-Reportage, gezeigt auf Arte und im WDR-Fernsehen beeindruckte viele Fernsehzuschauer. Gepresstes Altpapier, gebrauchtes Sambaholz, alte Autoreifen sowie Getränke- und Konservendosen: Was anderswo auf Mülldeponien verrottet, ist Rohstoff für die Könige des Recyclings. Es ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten, auf die einige Länder Westafrikas verweisen dürfen. Die Müllaufbereitung ist ein kleiner, lebendiger Handwerkszweig mit beachtlichen Zuwachsraten geworden. Die Geo-Reportage vom 6. November 2004 zeigte Malick Mbaye und Alassane Diop und ihren Laden „Soweto Village" auf der Rue des Dardannelles, am Stadtrand von Dakar, der Hauptstadt des Senegals. Ihrem großen handwerklichen Geschick verdanken die beiden jungen Männer samt ihrer Lehrlinge den Vorzug einer wirtschaftlich tragfähigen und selbstbestimmten Existenz.



Müll satt in der Müll-Stadt


Das ganze Viertel lebt mit Müll und von Müll. Ganze Stadtteile haben sich schon der Müllaufbereitung verschrieben. Ein Straßenviertel beherbergt die Holzhändler, im Ortsteil Colombane befindet sich das Revier der Metallhändler. Malick und Alassane von „Soweto Village“ haben einen Händler, der Weißblechdruckplatten von einer Konservenfabrik am Hafen aufkauft. Fehldrucke von „Yotox“-Insektenspray mit der Duftnote „Citron“ in Kadmiumgelb, Tomatensuppe in Cambellrot, Nescafe in Schokobraun, aber leider ohne Accent auf dem é, und Amstel-Bier-Dosenplatten in erfrischendem Grün. Für Exportaufträge nach Europa wird gerne „sauberes“ Blech verwendet.

Aus einer aufgeschnittenen Orangina-Dose wird unter den geschickten Händen der Recupe-Künstler ein tot schicker 2CV, inklusive Achsen, Rädern und Kotflügellampen. Sogar Fahrräder mit richtigen Speichenfelgen, funktionstüchtigem Tretlager und Zahnriemen-Hinterrad-Antrieb werden gebaut.

Ein weiteres Produkt-Highlight sind Körbe aus Kronkorken. Ein Einkaufskorb besteht aus 270 Korken, durch jeden Korken führt ein vertikaler und horizontaler Draht. Für den Handwerker ein Geduldsspiel, für den späteren Besitzer ein einmaliger Hingucker. Das Sortiment erstreckt sich bis zu Blechmöbeln: zum Beispiel einer Kommode mit vier Schubladen.



Sie brauchen einen Cot-Cot


Exponate der Ausstellung L´Age de Aluminium (bis 2. Nov 2004); Quelle: Cite de Science et de l`Industrie, Paris
Ein anderer Müllkünstler hat mit seinem „Mallette Cot-Cot“ einen internationalen Achtungserfolg erzielt. Die Cot-Cot-Aktenkoffer aus Dakar, gefertigt aus Abfallmaterial und dekoriert mit flach gepressten Getränkedosen und Zeitungspapier, sind nach dem ehemaligen senegalesischen Außenminister Jean-Pierre Cot benannt, der mit so einem Koffer zu einer Kabinettsitzung erschien. Viele Parlamentarier in aller Welt sind auf den ungewöhnlichen Koffer aufmerksam geworden. Auch im Europarat hat dieser Koffertyp Freunde gefunden. Im Brüssel gibt es bereits zwei Adressen, bei denen man die senegalesische „Art Recupe“ käuflich erwerben kann.

Das Rollenverständnis innerhalb der Gesellschaft des Senegal ist traditionell geprägt. Dass mit Müll eine Existenz möglich ist, wurde von etlichen humanitären Organisationen erkannt. Für den Senegal installiert die Ecopole Ouest-Africaine Förderprojekte. Während Männer Blech biegen und löten sollen, greifen junge Frauen zur Häkelnadel. Aus streifenförmig geschnittenen Plastiktüten entsteht ein Kunststofffaden, der sich leidlich verarbeiten lässt.

Die Beschaffung der sehenswerten Handwerksstücke aus Blech, Papier und Holz ist nicht so ganz einfach. Zwar haben die Handwerker aus Dakar einige Kunsthandwerkläden in Europa als Kunden, besonders in der Schweiz, Belgien und Frankreich, aber im Internet ist kein deutscher Shop mit Recycling-Produkten aus dem Senegal zu finden. Ähnliche Projekte, in denen aus Müll Brauchbares entsteht, findet man auch an der Elfenbeinküste, in Mali und Burkina-Faso.



Eine Idee, nicht nur für Weihnachten


Trotz intensiver Suche ist mit afrikanischem Kunsthandwerk üblicherweise immer nur althergebrachtes von Tropenholzsekretären, geschnitzten Holzmasken und Stoffdecken gemeint. Die Blechprodukte sind hingegen sehr modern und obwohl doch jedes Stück ein Unikat ist, absolut bezahlbar. Ob sich für solche Nischen- und Kultprodukte nicht vielleicht ein Online-Shop mit bundesweitem Einzugsgebiet eher anbietet, als ein Ladenlokal in Bottrop oder Bad Laasphe, sollte man einmal prüfen. Vielleicht eine Geschäftslücke, die alsbald geschlossen sein wird. Die Organisationen, die dieser Entwicklung vor Ort Vorschub geleistet haben, können die internationale Vermarktungsaufgabe ganz offensichtlich nicht wahrnehmen und die kleinen Gewerbetreibenden, sind von einem Internet-Start-Up nun wirklich noch um einiges entfernt.


Müll-Shopping gefällig?


Recupe-Art gibt’s in Brüssel
In Brüssel gibt es eine Firma, die als Kontakt von der Arte-Redaktion auf der Webseite vermerkt wurde:
OPTIMART asbl
35, rue Albertyn
1200 Bruxelles

Wer in Brüssel ist sollte unbedingt mal einen Blick in folgenden Laden werfen:
« Mbeubeuss »
10, de la rue Pletinckx
1000 Bruxelles

Cot Cot gucken und kaufen?

Der Mallette Cot-Cot kann bestellt werden bei:
Sekrétariat Permanent du SIAO,
01 BP 3414,
Ouagadougou 01,
Burkina Faso.
Tel. (226) 36 0947/0584,
Fax (226) 36 19990.
Link: siao.bf
Dort findet man auch Informationen zur jährlichen Ausstellung afrikanischem Kunsthandwerks.

Den hübschen Aktenkoffer aus Blech bietet der Reiseveranstalter „Afrika Erleben“ außer der Reihe an. Immer wenn die Radtour in den Senegal führt, versucht der Veranstalter einige dieser ausgefallenen Koffer mitzubringen. Ganze 24 Euro soll der Koffer kosten, aber wie gesagt, die Stückzahl ist arg begrenzt. Interessenten sollten sich sofort hier ein Exemplar sichern.
Link: afrika-erleben.de

Die Ecopole betreut die beschriebenen Projekte im Senegal. Die Seite ist sehr einfach gehalten und natürlich gibt es keinen Online-Shop. Für weitere Hintergrundinformationen zum Müllhandwerk ist die Seite geeignet. Über Ecopole sollte man auch Kontakte zu den Ateliers der Handwerker aufnehmen können.
Link: enda.sn

Ecopole Ouest-Africaine
Rue Felix Eboué Angle Faiherbe
B. P. 3370 - Dakar, Senegal
Fax (221) 823 51 57

Koordinator: Amadou Diallo
Tel. (221) 822 31 94 / 821 53 43
E-Mail: audiovis@enda.sn



Web-Galerie Nummer 1


Wir haben auf deutsch, englisch und französisch gegoogelt und weltweit scheint diese Adresse eines Projektträgern in Marseille die einzige Webseite zu sein, die einen netten Ausschnitt der Kunstfertigkeit und des Könnens der senegalesischen Müllverwerter online präsentiert. Dort vermittelt man auch den Kauf eines solchen Kunst-Stücks. Ein richtiger Online-Shop ist das aber nicht. Keur-Gui ist ein Wort der afrikanischen Lokalsprache Walf, die im Senegal gesprochen wird. Es bedeutet soviel wie „Haus, an das man sich gerne erinnert“.
Link: keur-gui.com/



Web-Galerie Nummer 2


Diese Webseite der Firma „African Craft Online Inc“ aus den USA hat sich dem afrikanischen Kunsthandwerk verschrieben. Am Ende des hier aufrufbaren Artikels „Creative Recycling From Africa“ finden Sie einen Link zu einer Web-Galerie mit Austellungsexponaten, die ebenfalls sehenswert ist.
Link: africancraft.com


Die in der Geo-Reportage vorgestellten „Müllwerker“
Malick und Alassane mit ihrer Werkstatt Soweto Village
kann man wie folgt erreichen:
Malick Mbaye & Alassane Diop
8, rue des Dardannelles
Dakar, Senegal

Zwar haben die Jungs E-Mail und Faxanschluss, aber in der Reportage erfährt man auch, dass es selbst nach unserem Geldmaßstab sehr viel Geld kostet, sich ein Fax ausdrucken zu lassen. Um Kosten für die Anfrage: „Könnt Ihr mir einen Aschenbecher biegen?“ zu vermeiden, haben wir die Adressen hier nicht aufgeführt.


2.12.2004






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