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Freies Netz für freie Bürger (Teil1)


Es muss nicht immer ein kommerzieller Anbieter sein.
Quelle: obs/t-info GmbH
In den letzten Jahren sind weltweit immer mehr drahtlose Netzwerke (WLANs) entstanden. Inzwischen gibt es neben zahlreichen einzelnen lokal begrenzten Zugangspunkten nicht nur eine steigende Anzahl kommerzieller Accesspoints in Hotels und Cafés, sondern auch die Idee, ein freies Bürgernetz als demokratische Alternative zum kommerziell geprägten Internet aufzubauen. Grund genug, mit Jürgen Neumann, dem Mitinitiator einer Initiative zur Förderung freier Funknetzwerke im deutschsprachigen Raum zu sprechen.

Netzkritik: Was ist die Idee des deutschen freifunk.net, welche Vorbilder gibt es und wer kann aktiv teilnehmen?

Jürgen Neumann: Um Fehlinterpretationen von vorneherein auszuschließen: Aufgebaut werden die Netze von den Menschen und Gruppen vor Ort. freifunk.net ist eine Initiative, die den Aufbau freier Funknetzwerke und somit diese Gemeinschaften fördern will. Es geht darum, sie zu unterstützen und sie untereinander sozial zu vernetzen. Gleichzeitig wollen wir den Rest der Gesellschaft über die Chancen und Möglichkeiten freier Funknetzwerke informieren und zum Mitmachen anstiften. Vorbilder gibt es keine. Jedoch wurden wir stark von den Pionieren von consume.net aus London inspiriert.
Jeder kann teilnehmen. Wer bei freifunk.net mitmachen möchte, tut dies am besten, indem er oder sie sich vor Ort in der eigenen Stadt oder Region mit anderen zusammentut und die Leute beginnen, sich untereinander zu vernetzen. Das macht Spaß und die Menschen lernen sich besser kennen. Sie können sich dann gemeinsam einen Internetanschluss teilen, kostenlos miteinander Telefonieren, spielen und natürlich jede andere Form des digitalen Daten- und Informationsaustauschs betreiben. Jeder kann im Intranet seinen eigenen Webserver betreiben oder jeden anderen Dienst anbieten. Der Unterschied zum Internet: es ist kostenlos, die Bandbreite ist mehr als zehnmal so hoch, jeder kann eine feste IP-Adresse haben und für andere erreichbar sein. So werden Anwendungen wie beispielsweise Bildtelefonie erst richtig möglich.
Wer dann noch Zeit und Muse hat, kann auf freifunk.net über seine eigene Initiative oder technischen Erfahrungen berichten. So wird es für andere leichter, eine ähnliche Initiative zu gründen und ein eigenes Netz aufzubauen. Wir freuen uns über jeden Beitrag.
Es gibt ein etwa 15-köpfiges Team, welches sich um die Programmierung und Pflege der Website kümmert. Auch dort können wir immer Verstärkung gebrauchen.

Netzkritik: Wo liegen die Grenzen aus juristischer Sicht in Zeiten, in denen Politiker und staatliche Stellen eine immer stärkere Kontrolle verlangen?

Jürgen Neumann: Diese Frage beschäftigt interessanter Weise die Menschen in Deutschland am allermeisten. In vielen anderen Ländern Europas kommt sie erst weit hinter den Chancen, die man mit der Möglichkeit verbindet, sich ausnahmsweise mal frei miteinander Austauschen zu können. Die Menschen hier scheinen besondere Angst davor zu haben, dass es einen technisch nicht kontrollierten Raum gibt, in dem jeder vermeindlich machen kann, was er will. Es gibt eine große Angst davor, dass sich dort ein Haufen Neonazis tummelt oder Menschen mit Kinderpornos handeln.
Kann sein, dass es in einzelnen Fällen dazu kommen wird. Aber wie sollte man denn sinnvoll gegen diese Verfehlungen vorgehen, ohne das Ganze gleich wieder zu verbieten? Gibt es überhaupt eine technische Lösung für solcherlei gesellschaftliche Probleme? Was machen wir mit den Neonazis in der U-Bahn? Keine U-Bahn mehr fahren zu lassen, wäre doch auch keine adäquate Antwort. Es ist im Übrigen ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man Kommunikation, weil sie auf technischer Ebene stattfindet, leichter kontrollieren könnte. Sicherheit ist eine Illusion, die besonders im Zusammenhang mit Technik sehr leicht entsteht.
Eine weitere Frage, die hier zu Lande gerne gestellt wird ist, was passiert, wenn jemand anderes über meinen Internetzugang eine Straftat begeht. Die Antwort ist verblüffend einfach: Der andere macht sich strafbar. Das ist im WLAN genau wie im wirklichen Leben. Wenn ich davon in Kenntnis bin, mache ich mich natürlich der Mittäterschaft schuldig. Bin ich es nicht und kann man mir keine Schuld nachweisen, dann werde ich zwar die Ermittlungen über mich ergehen lassen müssen, bin aber selbstverständlich nicht schuld oder mit schuld.
1998 wurde im Rahmen des IuKDG (Informations- und KommunikationsdiensteGesetz: Gesetzespaket des Bundes für Bundessachen, u. a. Teledienste, geregelt im Teledienstegesetz, kurz TDG), folgende Gesetzesregelung verabschiedet: § 6 TDG und § 7 MDStV heißen wortgleich: „Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich sofern sie die Übermittlung nicht selbst veranlasst haben usw.' Das Gleiche gilt für Inhalte, die durch die Nutzung Dritter noch auf meinem Proxy liegen, wenn der Nachbar Pornos saugt, zum Angriffskrieg anstiftet oder illegale MP3-Dateien herunterlädt, die dadurch noch auf meinem Proxy zwischengespeichert bleiben: Ich hafte nicht, obwohl ich so etwas eigentlich nicht über meinen (Proxy)-Server Anderen anbieten dürfte. Aber ich weiß schließlich nicht, was auf meinem Proxy liegt.
Komisch ist, dass diese Frage immer im Zusammenhang mit freien Netzen auftaucht, nie aber, wenn wie in Deutschland millionenfach üblich die unwissenden Kunden großer Provider offene WLANs betreiben, ohne auch nur zu ahnen, das andere gerade über ihren Anschluss surfen könnten. Hier sind die Gerätehersteller ganz klar in der Pflicht, Sicherheit, da wo sie erwartet wird, auch zu implementieren.
WLAN ist nichts anderes als ein kabelloses Netzwerk. Unsicherer ist es, weil ich nicht physikalisch ein Kabel oder Gerät angeschlossen sein muss, um etwas Illegales zu tun, sondern weil ich es unbemerkter tun kann. Die genaue Ausbreitung der Funkwellen kann nicht von mir kontrolliert werden und meine eigene Datenübertragung kann leichter von anderen belauscht werden.
Möchte ich mich und meine Daten schützen, muss ich mich mit den Themen Verschlüsselung, Firewall und Authentifizierung beschäftigen. Das gilt für WLAN genauso wie für das Internet. Die Frage ist nur: Will ich das Netz absichern oder nur meine eigenen privaten Ressourcen. Ich kann doch jeden in das Internet lassen, aber nur mich und meine Freunde auf meinen Rechner. Was ich sagen will ist, dass man sich WLAN am besten vorstellt wie ein Stück Außenwelt. Meine eigenen Ressourcen muss ich gegenüber dieser Außenwelt abschirmen, wenn ich nicht will, dass jeder darauf zugreifen kann. Der Weg in das Internet kann aber ungeachtet davon jedem freistehen, denn es ist lediglich das Medium, über das die einzelnen Ressourcen miteinander verbunden sind.

29.4.2004





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Teil 2 mit WLAN-Chancen, Technik und mehr.


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