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Sklaven-PC für Sparfüchse

Mario Gongolsky
Quelle: Marcella Haddad/CAFOD.
Katholische Agentur für Überseeentwicklung (CAFOD) - das klingt ja nicht gerade nach einer spannenden Adresse für technikbegeisterte Internetsurfer. Ende Januar veröffentlichte man dort einen erschütternden Report über die Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern in den Zulieferbetrieben der PC-Industrie in Mexiko, Thailand und China. Mitarbeiter der CAFOD haben sich vor Ort im Umfeld der Mitarbeiter umgehört und nun weiß man, unter welchen Bedingungen PC-Komponenten assembliert werden, auf denen später HP, Dell oder IBM prangt. Leugnen zwecklos! Da üben sich die Manager und Unternehmenssprecher darin, Kreide zu fressen.

Guadalajara, Mexiko. Hier wird vieles zusammengesetzt: PC-Komponenten, CD-Player, Handys und Waschmaschinen. Produziert wird jedoch wenig, die Wertschöpfung in Mexiko ist gering und somit auch die wirtschaftliche Gesamtwirkung dieser industriellen Ansiedlungen auf die dort lebenden Menschen. Anfang der 90er Jahre gingen 95 % der Produkte aus Mexiko in die USA und 90 % der Komponenten, die man zusammenbaut, werden importiert.
In der Regel sind es eigenständige Fabriken, die sich um die Fertigungsaufträge der PC-Industrie bewerben. IBM ist hier eine Ausnahme von der Regel, denn die Fertigungsbetriebe gehören IBM. Aber IBM hat das dennoch geschickt eingefädelt: Dort schreibt man Produktionsaufträge aus und bietet die IBM-Fabriken zur Miete an. IBM erfand auch den Trend, die Mitarbeiter über Rekrutierungsagenturen zu beschaffen. Von 7.000 Mitarbeitern stehen letztlich nur 500 auf der IBM-Lohnliste. Für den 'Rest' zeichnen der Fabrikmieter und die Personalagenturen verantwortlich.



Blutige Handtücher gegen saubere Ethik-Preise


Die Headhunter der Personalagenturen haben es vor allem auf junge Frauen zwischen 20 und 25 Jahren abgesehen. Ideal ist es, wenn es sich um allein erziehende Mütter handelt. Das gesamte Umfeld wird durchleuchtet, auf das keine Gewerkschaftskontakte oder Rechtanwälte in deren Bekanntschaft lauern. Dann schnappt die Falle zu. Wer bereit ist, massiv Überstunden zu leisten, dem winkt ein Wochenlohn von knapp 100 US-Dollar. Das ist zwar etwas mehr, als in anderen Fabriken gezahlt wird, aber eine 4-köpfige Familie benötigt 250 Dollar, um den Standardwarenkorb zu füllen, eine Gesundheitsversorgung zu haben und die Kinder in die Schule schicken zu können.

Was die katholischen Detektive dann vor Ort ans Tageslicht fördern, ist höchst unappetitlich. Zum Beispiel die Geschichte von Monica, die sich bei HP bewarb: 'Zieh dich aus, wir müssen dich nach Tattoos untersuchen.', 'Bist du schwanger?', 'Wenn du deine Periode hast, musst du uns ein Handtuch mitbringen, um das zu beweisen.'

Die Differenz von Anspruch und Wirklichkeit könnte nicht krasser ausfallen, wenn man die Webseite von Hewlett-Packard besucht. Dort weiß man sehr wohl, was soziale Verantwortung bedeutet und wirbt auch ganz offensiv damit: 'HP unterstützt das ,Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen' und stellt einen Aktionsplan vor. Die Europäische Initiative fördert die Integration und Nutzung von Informationstechnologien durch Menschen mit Behinderungen. Eine der diesjährigen Hauptaktivitäten ist die Einrichtung eines europaweiten Netzwerkes für behinderte HP-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Bereitstellung von Informationen zu Karrieremöglichkeiten bei HP sowie landesspezifische Aktionspläne zur unternehmensweiten Förderung der Integration behinderter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen', tönte es dort im April 2003.

Der Kontakt der Fabrikarbeiterinnen untereinander wird rüde unterbunden: 'Wenn ihr nicht arbeitet, dann wird die Fabrik halt geschlossen und die Arbeiten nach China verlagert. Die sind klüger, arbeiten länger und das für weniger Geld!' Nach einiger Zeit sind die Mitarbeiter gebrochen. Mit den Folgen beschäftigt sich eine katholische Hilfsorganisation in Guadalajara. Eine Schwester erklärt: 'Die Arbeiterinnen glauben mit der Zeit, dass die Arbeit in der Fabrik das ist, was sie verdienen.'

Im Rahmen des Jahrestreffens der Vereinigung von Industrie- und Handelskammern Mexikos in Pueto Vallarta, zeichnete Staatspräsident Vincente Fox, die Firma Hewlett Packard mit dem 'Ethik und Werte Industriepreis' aus, mit dem Topmanager der mexikanischen Industrie geehrt werden. HP betont seine Verpflichtungen aus seinem Global-Citizenship-Projekt und die daraus erwachsene Bedeutung sozialer Verantwortung in einem globalen Wirtschaftsumfeld.



Ein genialer Coup


Der Bericht des CAFOD schlug in der Online-Welt hohe Wellen. Zahlreiche Beiträge, auch in Deutschland, haben sich des Problems angenommen. Natürlich interessiert es uns PC-Hocker, wer unseren PC zusammenbaut und doch scheint die Macht des Konsumenten begrenzt. Es gibt keinen Fair-Trade-PC und gäbe es ihn, er wäre Kraft seines hohen Preises ein Ladenhüter. Erschreckend ist aber, dass hier nicht die Billig-PC-Gilde zum Sklaventum treibt, um den unrühmlichen TV-Schlachtruf 'Geiz ist geil' umzusetzen, sondern Marken wie HP, IBM, Dell oder Acer. Da fragt man sich unwillkürlich, wie es den Arbeitern ergehen mag, die Rechner von Billig-Marken zusammenfügen.

Ein Dell Unternehmenssprecher glaubt, dass dieser Bericht (und die Öffentlichkeit, die er erzeugte) zum Weckruf für die ganze Branche werden könnte. Hewlett-Packard verhandelt mit den Zulieferern, um sicher zu stellen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter 'fairen' Bedingungen arbeiten können und auch IBM will seine Fertigungsstrategien überdenken. Die Wogen werden sich glätten und der Aktionismus der Hersteller, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, dürfte im gleichen Maße abebben.

Es klingelt. Der im Internet bestellte kolumbianische Direktimport-Kaffee 'Sandino Symphatico' wird gerade geliefert. Schnell noch die Turnschuhe anziehen, genäht von minderjährigen Mädchen in Pakistan. Armer König Kunde; ohnmächtig, wie ein Herrscher ohne Reich?

11.3.2004






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